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leicht erklärt: Sicherheitsstufen

leicht erklärt: Sicherheitsstufen

leicht erklärt: Sicherheitsstufen

Sicherheitsstufen, Widerstandsgrad, VdS, VDMA, RU, ECB-S, IMP, Bauart, Euro-Norm, Brandschutz - was ist das eigentlich? Worum geht es da? Was muss ich beachten?

Wir teilen gern mit Ihnen unser Wissen. Wählen Sie einfach aus, was Sie interessiert:


Das ganze Internet ist voll dem Spruch: Tresorkauf ist Vertrauenssache - aber wem soll man vertrauen? Die Antwort ist einfach: vertrauen Sie Ihrem Gefühl und dem gesunden Menschenverstand!!

Ich erkläre Ihnen zunächst einmal ein paar immer wiederkehrende Begriffe und Abkürzungen:

a) VDMA - das ist der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer. Ein Verband metallverarbeitender Betriebe, die in einem sogenannten Einheitsblatt MINDESTANFORDERUNGEN festlegen. In der VDMA 24992, Ausg. Mai 95, wird unter anderem festgelegt (Auszug):

Als Stahlschränke der Sicherheitsstufe A gelten einwandige Behältnisse, die hauptsächlich der Aufbewahrung von Schriftgut dienen. Sie sollen "leichten Schutz" gegen Angriffe mit mechanisch wirkenden, leichten Einbruchwerkzeugen (beispielsweise ein Schraubendreher oder ein leichter Hammer, aber NICHT Winkelschleifer) dienen. Sie bieten KEINEN Schutz gegen Angriffe mit thermisch wirkenden Werkzeugen (wie Schweißbrenner oder auch den kleinen Invertern!). Sie bieten KEINEN Schutz gegen Brände. Für frei zugängliche Schränke wie Möbeltresore oder Waffenschränke ist für Gehäuse und Tür eine Materialstärke von jeweils MINIMUM 3mm vorgeschrieben, mit ringsumlaufender Türverstärkung aus Stahlprofil mit definiertem Widerstandsmoment. Es sind Hochsicherheitsschlösser nach der Schloßliste der FuP (Forschungs- und Prüfgemeinschaft Geldschränke e.V. - wir kommen auf sie später zu sprechen) oder des Verbandes der Schadenversicherer e.V. (auch auf den kommen wir später zu sprechen) einzubauen. Es ist eine, nicht definierte, Schloßpanzerung einzubauen, die als Bohrschutz die Schlösser und deren Befestigungen ganz überdecken (bedeutet: eine leicht gehärtete dünne Metallplatte, die von außen gesehen vor dem Schloß sitzt, der Rest der Tür muss nicht gesichert sein!) Behältnisse über 1000mm Außenhöhe benötigen je einen Baskülriegel nach oben und nach unten. Wird der Schrank frei sichtbar aufgestellt, darf er nicht nur mit dem Schloßriegel versperren (bedeutet: wer einen einfachen Tresor ohne Riegelwerk (Kennzeichen dafür ist ein Griff zum Rein- und Rausfahren der Bolzen) frei sichtbar einsetzt, hat nicht einmal Versicherungsschutz für die Sicherheitsstufe A, weil dadurch die Anforderungen nicht erfüllt sind!!). Eine Anforderung an eine Befestigung ist nicht gegeben. Wo bleibt da die erwartete Sicherheit? Nun ja, mit so einem Behältnis können Sie neugierige Familienangehörige einbremsen, einen professionellen Einbrecher aber sicherlich nicht. Folgen Sie Ihrem gesunden Menschenverstand und fragen Sie sich, ob es das ist, was Sie wollen.

Als Stahlschränke der Sicherheitsstufe B gelten doppelwandige Behältnisse, die hauptsächlich der Aufbewahrung von Schriftgut und Wertgegenständen dienen. Sie sollen "begrenzten Schutz" gegen Angriffe mit mechanisch wirkenden, leichten Einbruchwerkzeugen (beispielsweise ein Schraubendreher oder ein leichter Hammer, aber NICHT Winkelschleifer) dienen. Sie bieten KEINEN  Schutz gegen Angriffe mit thermisch wirkenden Werkzeugen (wie Schweißbrenner oder auch den kleinen Invertern!). Sie bieten  Schutz gegen LEICHTE Brände (also wenn der Papierkorb, der daneben steht, brennt und Sie das Feuer einfach ersticken können) durch eine Feuerfalz und Isolierstoffe. Für frei zugängliche Schränke wie Möbeltresore oder Waffenschränke ist für Gehäuse und Tür eine Materialstärke von jeweils MINIMUM 4,5mm (3,00 + 1,5mm oder 2,5 + 2,0 mm) vorgeschrieben, mit ringsumlaufender Türverstärkung aus Stahlprofil mit definiertem Widerstandsmoment. Die Wanddicke muss mindestens 60mm betragen, die Wandungen sind mit hitzebeständigem Isolierstoff auszufüllen (kann also alles sein, was es bei OBI und Co. in dieser Richtung zu kaufen gibt!) Für Tresore, die hinter Verkleidungen oder in Wände eingebaut werden, reicht eine jeweilige Wanddicke von 30mm. Alle anderen Anforderungen entsprechen denen der Sicherheitsstufe A.

Die Ausgabe Mai 95 der VDMA 24992 unterscheidet sich gegenüber den vorherigen Ausgaben u.a. dadurch, dass die "Hersteller ein QM-System nach DIN EN ISO 9001 bzw. 9002" haben müssen, was in der Praxis bedeutet, alle im Betrieb wissen, was man im Fall X tun soll - aber keiner lebt das wirklich - Erfahrung aus der Praxis, allso eigentlich völliger Unfug und reine Geldschneiderei derjenigen, die solche Zertifizierungen gegen enorme Gebühren anbieten, eine zusätzliche Sicherheit für das erworbene Produkt ist das allerdings nicht.

Relevant ist aber die Forderung, dass Hochsicherheitsschlösser nach einer definierten Schloßliste einzubauen sind. Bedeutet: hat Ihnen irgendwann mal ein Schlüsseldienst ein altes Schloß eingebaut welches nicht in der Liste enthalten ist und was er gerade noch so im Schrank gefunden hat, Sie ahnen es - damit würde bereits der Tresor nicht mehr den Anforderungen entsprechen - und Sie hätten im Schadensfall das Nachsehen! Daher unsere glasklare Ansage: lassen Sie an Ihren Tresor keine Arbeiten von Personen vornehmen, die nicht ausgewiesene Spezialisten sind!

Kurzes Resümee: von geprüftem Einbruchschutz kann in diesem Segment gar keine Rede sein! Sie erwerben zwar ein Behältnis, worin Sie die Dinge geordnet aufbewahren können, die ansonsten in irgendwelchen Schubladen herumliegen, und womit Sie diese Dinge gegen neugierige Blicke schützen können, aber einen professionellen Einbrecher halten Sie damit nicht auf. Sie fahren nach Mallorca, wähnen sich in Sicherheit, und zuhause erwartet Sie später eine unangenehme Überraschung und die Erkenntnis: Sie haben zwar wenig Geld ausgegeben, aber auch wenig Sicherheit dafür bekommen. 

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