Drucken

Sicherheitsstufen

Sicherheitsstufen

Sicherheitsstufen

Ein wichtiges Thema sind die Sicherheitsstufen.

Die historische Formel für den Tresorbau sah wie folgt aus: man nehme ein bisschen Blech, ein Schloß, selbst hergestellte Blechverschlußstreifen und etwas Brandschutt, um den Blechkasten möglichst schwer zu machen, damit ihn keiner wegträgt, bringe das alles hübsch in Form und lackiere es über, fertig ist der Tresor.

VDMA-Einheitsblatt 24992:

Nachdem man im Laufe der Zeit eingesehen hat, dass dies mit Sicherheit nicht viel zu tun hat, gab es die Überlegung, man müsste doch bestimmte Qualitäten voneinender unterscheiden. Da der Tresorbau dem Maschinenbau zugeordnet ist, beschloss man beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer, kurz VDMA, Mindestanforderungen an die Bauart zu stellen, und hat diese Mindestanforderungen in einem Einheitsblatt aufgestellt.

So wurden Stahlschränke mit einem einwandigen Korpus und einer doppelwandigen Tür, welche beide Mindestmaterialstärken haben mussten, als Stahlschränke Sicherheitsstufe A nach VDMA 24992 eingruppiert.

Hatten die Stahlschränke einen doppelwandigen Korpus und eine doppelwandige Tür mit bestimmten Mindestmaterialstärken, wurden diese als Stahlschränke Sicherheitsstufe B nach VDMA 24992 eingruppiert.

Eine Sonderform sind Tresore, die in die Wand einbetoniert werden. Man beachte: EINBETONIERT, nicht eingemauert oder mit Bauschaum in eine Lücke eingeklebt. Dabei muss dann der Beton an allen fünf wandberührten Seiten, also oben, unten, rechts, links UND hinten mit mindestens 100mm Beton steifem Beton, mind. B32, umgeben sein, im Idealfall mit zusätzlicher Armierung. Dieser Vorgabe entsprechend wären Wandtresore eigentlich nur Sicherheitsstufe A nach VDMA 24992, jedoch erfolgt die Einstufung aufgrund des umfassenden Betonmantels dann in Sicherheitsstufe B nach VDMA 24992. Für Sie wichtig zu wissen: kein umlaufender Beton bedeutet also Sicherheitsstufe A nach VDMA 24992, egal, was da für eine Plakette in der Tür ist!

Dieses VDMA-Einheitsblatt wurde mehrfach revidiert, die letzte gültige Revision war die Ausgabe Mai 95, welche einige technische Nachträge enthielt sowie die Forderung nach Mindestinformationen auf den angebrachten Plaketten, wie Baujahr, Gewicht, Hersteller bzw. Vertreiber und die Angabe des Nachweises eines Qualitätsmanagementsystems (für mich ein absoluter Unfug, den ein QM-System sichert den Zertifikatstellen lediglich Pfründe und führt in der Praxis in der Regel nicht dazu, dass auch alle Anforderungen an einen Hersteller stets eingehalten oder auch nur ein Fehler in der Produktion NICHT gemacht wird).

Bei diesen Sicherheitsstufen handelt es sich also nicht um eine Sicherheitsnorm, sondern lediglich um eine Bauartvorschrift. Inzwischen wurde erkannt, dass diese Bauartvorschriften nicht mehr dem neuesten Stand der Technik entspricht. In der Folge wurde dann im Jahre 2002 für derartige Behältnisse eine EURO-NORM entwickelt. Dies ist die EN 14450, welche die Stahlschränke nun in die Sicherheitsklasse S1 nach EN 14450 und Sicherheitsklasse S2 nach EN 14450 unterteilt. Nach einer Übergangsfrist wurde dann vom VDMA das Einheitsblatt 24992 per 31.12.2003 zurückgezogen. Tresore nach den alten VDMA-Sicherheitsstufen werden seit 2004 nicht mehr offiziell von den Versicherern anerkannt.

Trotzdem diese Modelle nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen, gibt es heute unbegreiflicherweise noch einen Bereich, in dem Stahlschränke der Sicherheitsstufen A und B nach VDMA 24992 Anerkennung finden: in der Waffenaufbewahrung!  HFD Tresore bietet Ihnen diese Tresore und Waffenschränke aber weiterhin an, da Sie als Kunde oftmals den günstigsten Weg zu einer vermeintlich sicheren Aufbewahrung von Werten und Waffen suchen und sich trotz intensivster Aufklärungsarbeit nicht dazu entscheiden können, ein eigentlich nur marginal teureres, dafür aber zertifiziert sicheres Produkt zu erwerben, wir beugen uns insofern nur Ihrem Willen.

Kommen wir nun zu den aktuellen Sicherheitsklassifizierungen:

EN 1143-1:

Im Zuge der Einführung der Euro-Norm EN 1143-1 wurde dort das Wort Sicherheitsstufe gegen das Wort Widerstandsgrad ausgetauscht. Tresore, die nach diesem Standard gebaut werden, müssen ihre Einbruchsicherheit durch spezielle Prüfungen nachweisen. Mit unterschiedlichen Werkzeugen wird dabei ein Einbruchversuch vorgenommen. Hierbei gibt es zwei Teilbereiche: den Teilzugriff, d.h. es wird ein Loch in einer bestimmten Größe erzeugt, durch welches man in den Innenraum greifen kann und von dort Gegenstände entnehmen kann; zudem den Vollzugriff, hierbei gilt es, die Tür vollständig zu öffnen, um den gesamten Inhalt entnehmen zu können. Dabei hat ein Schraubendreher einen niedrigen Werkzeugwert als beispielsweise ein Trennschleifer, weil dieser durch Lärm, Funkenflug etc. auf seine Anwesenheit aufmerksam macht. Es wird also auf unterschiedliche Art versucht, Zugriff auf den Tresorinhalt zu nehmen, je nachdem, welches Werkzeug man dafür einsetzt, wird mehr oder weniger Zeit dafür eingeräumt. Benötigt der Prüfer mehr wie die zugestandene Zeit für den jeweils beantragten Widerstandsgrad, gilt die Prüfung als bestanden und die Plaketten mit der Ausweisung des Widerstandsgrads dürfen an den Tresoren angebracht werden.

Die Prüfungen können, müssen aber nicht in den Laboratorien des plakettengebenden Instituts durchgeführt werden, so dass beispielsweise ein Produkt, welches bei einem Prüfinstitut in Italien geprüft wurde, durchaus eine Plakette von einem deutschen Zertifikatgeber wie dem VdS in Köln erhalten kann, und natürlich umgekehrt genau so. Sie sehen also, es ist nicht erheblich, ob die Plakette von Zertifikatgeber A oder B kommt, sondern dass die Widerstandsprüfung typgerecht nach den Vorschriften der EN 1143-1 erfolgt ist. Tresore unter einem Eigengewicht von 1000 kg müssen mit einer fach- und sachgerechten Verankerung gegen Wegnahme gesichert sein (nicht verhandelbarer Fixwert), bei Modellen über 1000kg reicht das Eigengewicht als Sicherung.

Oftmals wird hier argumentiert: ich habe eine Fußbodenheizung, ich habe schwimmenden Estrich, ich bewohne Mieträume, ich habe nur Rigipswände. Schön und gut, aber: es sind Ihre örtlichen Gegebenheiten, Sie wollen Ihre Werte sichern und versichert haben, also liegt es allein in Ihrem Zuständigkeitsbereich, wie Sie die Wegnahmesicherung wirkungsvoll herstellen. Dafür ist eine kompetente Beratung absolut unerlässlich!

Alle fach- und sachgerecht gesicherte Tresore mit einer Typprüfung nach EN 1143-1 dürfen von den Versicherern nach EU-Recht nicht zurückgewiesen werden, natürlich können aber in der Einzelfallabwägung zusätzliche Sicherungsmaßnahmen gefordert werden.

EN 1143-2:

Prüfnorm für Deposit-Tresore. Oftmals fallen Modelle bei diesen Prüfungen durch, weil die Einwurfsysteme manipulierbar oder mechanisch relativ einfach zu entfernen sind und dadurch eingelegte Deposits "abgefischt" werden können - auch wenn die Bauart von Korpus und Tür ansonsten denen eines zwertifizierten Wertschutzschrankes entsprechen kann. Solche Modelle werden dann mit dem Hinweis: "bauartähnlich wie XY", "bauartgleich wie XY" oder "konstruktiv wie XY" angeboten.

EN 14450:

Daran lehnen sich auch die Sicherheitsklassen S1 und S2 nach EN 14450 an, auch wenn hier Überprüfungen nicht so weit gehen wie in der EN 1143-1.

Hier eine Übersicht der Widerstandsgrade und Sicherheitsklassen und ihre Versicherbarkeit:

Sicherheitsklasse S1         gewerblich nicht versicherbar             privat bis EUR    5.000,00

Sicherheitsklasse S2         gewerblich bis EUR    2.500,00          privat bis EUR   20.000,00

Widerstandsgrad N/0       gewerblich bis EUR  10.000,00           privat bis EUR  40.000,00

Widerstandsgrad I           gewerblich bis EUR   20.000,00          privat bis EUR   65.000,00

Widerstandsgrad II          gewerblich bis EUR   50.000,00          privat bis EUR 100.000,00

Widerstandsgrad III         gewerblich bis EUR 100.000,00          privat bis EUR  200.000,00

Widerstandsgrad IV         gewerblich bis EUR 150.000,00          privat bis EUR  375.000,00

Widerstandsgrad V          gewerblich bis EUR 250.000,00          privat bis EUR: nach Absprache

Eine vorhandene Einbruchmeldeanlage erhöht in der Regel die Versicherungssummen, in Einzelfällen kann diese bis verdoppelt werden. Alle genannten Versicherungswerte sind Richtwerte der Sachversicherer, für die Bewertung Ihres jeweiligen Risikos sprechen Sie bitte mit Ihrem Schadenversicherer.