Drucken

Feuersicher - die Brandschutzklassen

Feuersicher - die Brandschutzklassen

Wenn es um den Brandschutz geht, werden die meisten Verkäufer in der Branche kreativ. Es fallen Ausdrücke wie "feuerhemmend", "Feuerschutz nach DIN 4102", "mit Feuerschutzisolierung", Feuerschutz nach VDMA 24992", "feuerbeständig", ja sogar vor "feuersicher" wird hier nicht Halt gemacht. Aber was bedeutet das?

FEUERHEMMEND:

Etwas, was "feuerhemmend" ist, hemmt vom Wortsinn her die Ausbreitung des Feuers über einen definierten Zeitraum, aber es verhindert die Ausbreitung nicht. Damit wird zwar beschrieben, wie sich der Tresor im Allgemeinen gegenüber einem Feuer verhält, es wird allerdings nicht ausgesagt, wie sich die Hitzeeinwirkung eines Feuers gegenüber dessen Inhalt auswirkt. Im Tresor muss folglich keinerlei Material verbaut werden, was im Brandfall isoliert oder schützt. Insofern ist diese Angabe völlig wertlos für Sie als Verbraucher.

 

FEUERSCHUTZ NACH DIN 4102 oder MIT FEUERSCHUTZISOLIERUNG:

Die DIN 4102 regelt den Brandschutz im Bauwesen allgemein. Grob umrissen geht es dabei um den Brandschutz von Gebäuden und ihren Bestandteilen wie Decken, Wänden, Türen, Kabelschächten, Lüftungsrohren etc. Weil nun ein Tresor auch eine Tür hat, könnte man meinen, Tresore könnten damit klassifiziert werden. Dem ist nicht so. In der Regel wird in derart beworbenenTresoren eine mehr oder weniger durchgängig flächige Isolierung in Form einer Mineralfaser- oder Dämmstoffplatte eingebracht, welche im Brandfall binnen weniger Minuten bei Temperaturen von ein paar hundert Grad zu Klumpen zusammenschmelzen und entsprechende Hohlräume freilegen, durch die die Hitze ungehindert durchdringen kann. Da der einfache Tresor aus Stahlblech und somit ein excellenter Wärmeleiter ist, der sich bei Hitzeeinwirkung leicht verformt, kann von einer Feuerschutzwirkung gar keine Rede sein. Eine Überhitzung des Innenraums weit über dem Flammpunkt von Papier binnen weniger Minuten hat zur Folge, dass von dem Inhalt Ihres Tresors nichts mehr außer Asche zurückbleibt.

 

Feuerschutz nach VDMA 24992:

In den seit 2003 aus dem Verkehr gezogenen VDMA-Einheitsblatt 24992 ist der Begriff "Schutz gegen leichte Brände" zu finden, jedoch fehlte in den Einheitsblättern eine Erklärung, womit dieser Schutz denn erreicht werde. Jeder Hersteller hat dies anders interpretiert, von bauartlichen Maßnahmen wie einer Feuerfalz über Einbringung von Mineralwolle in den Wandungen bis hin zu betonierten Wänden, der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Eine solche Aussage ist nur einen schmalen Grat von der Verbrauchertäuschung entfernt, denn auch sie sagt nichts darüber aus, welche Gegenstände wie lang vor Zerstörung durch Feuer und Hitzeeinwirkung geschützt sind.

 

FEUERBESTÄNDIG:

Auch diese Aussage sollten Sie gründlich überprüfen. Schön, dass ein Tresor feuerbeständig ist - aber was ist mit dem Inhalt?

 

Worauf sollten Verbraucher also achten?

Wenn diese Anpreisungen eigentlich nichts wert sind, wie können Sie sich als Verbraucher denn dann sicher sein, dass der Tresor die von Ihnen gewünschten Anforderungen im Schadenfall auch erfüllt? Um das sicherzustellen, müssen wir das Pferd von hinten aufzäumen und fragen uns zunächst einmal, wie empfindlich die von uns eingelagerten Dokumente und medialen Datenträger auf Einwirkung von Feuer, Hitze und Wasser reagieren, wobei erfahrungsgemäß die Zerstörung von der Hitze und nicht von dem eigentlichen Feuer ausgeht, denn ein Durchbrennen der Wandungen wird auch bei hyperaktiven Bränden und Feuersbrunsten seltenst zu beobachten sein. Betrachten wir also, ab wann die einzelnen Datenträger zerstört werden:

Papierdokumente, also Akten, Zeugnisse, Urkunden etc.               ca. 170°C

Digitale Medien, also CD-ROM, USB-Sticks, SD-Karten etc.            ca. 120°C

Computerdaten, also Festplatten, Disketten, Streamertapes etc.     ca. 52°C

Heizt sich also der Innenraum über die genannten Temperaturen auf, werden die genannten Datenträger unwiderbringlich zerstört. Daher besteht die Anforderung an den Feuerschutz darin, dass sich der Innenraum im Schadenfall nicht so stark erhitzt und die Maximaltemperaturen dabei nicht überschritten werden.

Der Tresorbau vereint dabei mehrere Komponenten, zunächst einen konstruktiven Feuerschutz mit nacheinander geschalteten Feuerfalzen, spezielle Dichtungssysteme in Tür und Rahmen sowie eine Mehrkammerbauweise, in der nacheinander unterschiedlich hitzeabhaltende Werkstoffe wie Spezialbeton, Salze und Gallerte eingesetzt werden. Ähnlich einem mehrkammerigen Fensterprofil hat diese Bauform zudem den Vorteil, dass die gesamte Tresorkonstruktion wesentlich steifer und damit stabiler wird. Wozu das gut ist, dazu später mehr. Die Wirkungsweise der Bauart wird wiederum durch Tests an Prüflaboren belegt.

Nun ist es so, dass in den unterschiedlichen Prüfverfahren auch unterschiedliche Prüfbedingungen herrschen.

 

Übersicht der wichtigsten Testverfahren:

 

Euronorm EN 15659 (LFS30P, LFS60P):

Prüfnorm für brandschutztechnische Erzeugnisse (LFS30P, LFS60P). Die Beflammung erfolgt bei 840°C über die vorgegebene Zeit (30 oder 60 Minuten) hinweg. In diesem Prüfverfahren erfolgt weder eine Feuerstossprüfung, die eine rasche Ausbreitung eines Feuers simuliert, noch ein Sturztest, der das Verhalten eines Tresores simuliert, wenn er duch eine einstürzende Decke fällt. Es fehlt auch die wichtige Temperaturüberwachung in der Abkühlphase, in der oftmals die Temperaturen weiter ansteigen. Die maximale Belastung wird folglich auf den Punkt am Ende der vorgegebenen Zeit ermittelt. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um einen leichten Feuerschutz, nur für Papierdokumente,  mit verbleibendem Restrisiko. Tresore, die nach einem solchen Prüfverfahren getestet worden, erhalten eine diesbezügliche Zertifizierung als Leichter Feuerschutzschrank.

 

Euronorm EN 1047-1:

Prüfnorm für brandschutztechnische Erzeugnisse (S60P, S120P, S60D, S120D, S60DIS, S120DIS). Die Beflammung erfolgt bei 1090°C über die vorgegebene Zeit, zudem erfolgt eine Feuerstossprüfung und ein Sturz des erhitzten Tresors aus 9,15m Höhe ins Schotterbett. Zudem wird die Temperatur während der Abkühlphase für bis zu 24 Stunden weitergemessen, bis die Innentemperatur signifikant zurückgegangen ist. In diesem Testverfahren wird also gesichert ermittelt, welche maximalen Höchsttemperaturen im Innenraum des Tresors vorherrschen, und die Prüfung wird nur dann bestanden, wenn die maximale Temperatur im Innenraum den Referenzwert nicht erreicht hat.

Hier eine Whistleblower-Information: viele Produkte bestehen die Prüfung nicht, weil sie genau an dieser Stelle versagen, die Temperatur nach 60 oder 120 Minuten ist gerade noch so im Soll, erhöht sich aber weiter nach dem Abschalten der Brenner nach dem Zeitraum der Beflammung - was im Ernstfall dazu führt, dass die Dokumente zerstört werden!

Ziel ist der Schutz von Papierdokumenten (-P), medialen Daten (-D) bzw. Computerdaten (-DIS), je nach Kenntlichmachung auf der Prüfplakette. Eine Prüfung nach EN 1047-1, Abs. 6.4.2 bedeutet, dass das Produkt keinem Sturztest unterzogen wurde, ansonsten alle weiteren Kriterien erfüllt wurden. Für solche Modelle empfehlen wir die Aufstellung im der untersten Etage. Die bestandene Typprüfung wird durch eine separate Plakette kenntlich gemacht und ist ein Kriterium für einen qualitativ hochwertigen Tresor mit nachgewiesenen Produkteigenschaften - ein Produkt, dem Sie vertrauen können.

 

Feuerschutztest NT-Fire:

Ein anderes Prüfverfahren erreicht uns aus Schweden, einem Land, welches nicht Mitglied der Euro-Zone ist. Unterschiedliche Produkte werden nach unterschiedlichen Verfahren geprüft:

NT Fire 017-60P: Die Beflammung erfolgt bei 945°C für 60 Minuten. Vergleichbar dem Standard EN15659 gilt die Prüfung als bestanden, wenn nach Erreichen der Zeitvorgabe 60 Minuten die maximale Temperatur im Innenraum von 175°C nicht überschritten wird. Der Unterschied zu LFS60P nach EN15659 (siehe oben) ist also die höhere Temperatur der Beflammung. Feuerstoss- und Sturztest sowie Temperaturüberwachung in der Abkühlphase werden nicht vorgenommen. Ziel ist ein Schutz von Papierdokumenten.

NT Fire 017-90P: Die Beflammung erfolgt bei 1050°C für 90 Minuten. Die weiteren Prüfkriterien analog zum Standard NT Fire 017-60P. Ziel ist der Schutz von Papierdokumenten.

NT Fire 017-120P: Die Beflammung erfolgt bei 1090°C für 120 Minuten. Die weiteren Prüfkriterien analog zum Standard NT Fire 017-60P. Ziel ist der Schutz von Papierdokumenten.

NT Fire 017-120DIS: Die Beflammung erfolgt bei 1090°C für 120 Minuten. Vergleichbar dem Standard EN15659 gilt die Prüfung als bestanden, wenn nach Erreichen der Zeitvorgabe 60 Minuten die maximale Temperatur im Innenraum von 52°C nicht überschritten wird. Feuerstoss- und Sturztest sowie Temperaturüberwachung in der Abkühlphase werden nicht vorgenommen. Ziel ist ein Schutz von Computerdaten.

 

DIP 120-60 DMAA (Grad B):

Ein chinesisches Testverfahren in Anlehnung an die schwedischen Prüfkriterien NT-Fire. Die Beflammung erfolgt bei ca. 1000°C für 60 Minuten. Vergleichbar dem Standard EN15659 gilt die Prüfung als bestanden, wenn nach Erreichen der Zeitvorgabe 60 Minuten die maximale Temperatur im Innenraum von 120°C nicht überschritten wird. Feuerstoss- und Sturztest sowie Temperaturüberwachung in der Abkühlphase werden nicht vorgenommen. Ziel ist ein Schutz von medialen Daten wie DVD's, USB-Sticks etc.

UL 72:

Amerikanischer Teststandard von Underwriters Laboratories, verschiedene Testverfahren, da im europäischen Markt von geringerer Bedeutung, hier nur ein Beispiel in Kürze: Für einen Teststandard für Computerdaten erfolgt die Beflammung bei 1010°C für 120 Minuten. Zudem wird die Temperatur nach Abschalten der Brenner für bis zu 68 Stunden kontinuierlich weitergemessen, um auch hier analog zur EN 1047-1 die maximale Temperaturerhöhung im Innenraum zu ermitteln.

Fazit:

Zunächst müssen Sie als Verbraucher wissen, welche Dokumenttypen Sie schützen wollen, denn in einem Tresor mit zertifiziertem Feuerschutz für Papierdokumente können mediale Daten oder Computerdaten nicht zuverlässig vor Feuer geschützt gelagert werden, anders herum bietet ein Tresor nach dem DIS-Standard stets auch ausreichenden Schutz für mediale Daten oder Papierdokumente. Es gibt zuweilen auch Modelle nach P-Standard, für die Sie einen zusätzlichen Einsatz nach DIS-Standard erwerben können.

Die Konstruktionen der wahren Sterne am Himmel der Feuerschutztresore sind wesentlich aufwändiger, die Produktion in Teilschritten dauert mitunter fünf mal so lang wie bei einem einfachen Wertschutzschrank vergleichbarer Größe. Hohe Konstruktions- und Prüfkosten bei relativ gering gefragten Stückzahlen sind dabei der Grund für die ausgewiesenen Preise.

Diese Produkte kosten viel, können aber auch viel.

Viele Unternehmen sind nach einer Feuerbrunst nur deshalb konkurs gegangen, weil sie nach einer Brandkatastrophe ihr gesamtes über Jahre erworbenes know-how unwiederbringlich verloren haben, da sie sich aus Kostengründen für einen einfachen Tresor ohne nachgewiesene Brandschutzeignung entschieden haben - ein unverzeihlicher Fehler!

Wir sind am Ende dieses Artikels angekommen und ich hoffe, ich konnte Ihnen einige Denkansätze für die Auswahl Ihres neuen Tresors geben, insbesondere in den Fällen, in denen ein Brandschutz in Frage kommt. In meinem Shop finden Sie viele Modelle, die auch den genannten Kriterien entsprechen. Für Rückfragen sprechen Sie mich einfach an.