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Schlösser

Schlösser

Im Tresorbau gibt es im Wesentlichen drei Arten von Schlössern:

 

1.: Doppelbartschloß

Ein neuer Tresor ist standardmäßig mit einem Doppelbartschloss ausgerüstet, für welches 2 Schlüssel in passender Länge mitgeliefert werden. Gegen Aufpreis können Sie den Tresor auch werksseitig mit weiteren Zusatzschlüsseln ordern. Diese Tresorschlüssel sind in der Regel aus Zink-Druckguß gefertigt. Die speziellen Einschnitte am Schlüsselbart passen nur zu dem dazugehörigen Schloß.

Doppelbartschlösser benötigen heutzutage für den Einsatz in Wertbehältnissen eine Zertifizierung eines akkreditierten Prüfinstituts, in Deutschland beispielsweise VdS. In der Zertifizierung ist geregelt, dass auf den Schlüsseln keine Schlüsselnummern aufgebracht werden dürfen, nach denen ein Nachschlüssel gefertigt werden könnte, ohne einen Schlüssel als Muster vorzulegen. Ist ein Tresorschlüssel abgebrochen, kann dieser in der Regel noch als Muster für eine Ersatzfertigung verwendet werden. Gerät jedoch ein Schlüssel in Verlust, muss zwingend das Schloß getauscht werden, um dem vorzubeugen, dass ein unberechtigter Dritter den Schlüssel auffindet und verwendet. Da gibt es keine Ausreden wie "im Klo runtergespült" oder "irgendwo in Timbuktu auf der Straße verloren", und weil die Zertifikatgeber wissen, dass viele Menschen mit derartigen Aussagen die Ausgaben für ein neues Schloß umgehen möchten, haben sie vorgeschrieben, dass Nutzer in einer Eigenerklärung klar aussagen müssen, dass "gewünschte Ersatzschlüssel nicht als Ersatz für einen verlorenen Schlüssel dienen". Die Anschaffung von weiteren Schlüsseln für weitere Benutzer ist davon natürlich ebenso wenig betroffen, wie der Ersatz eines defekten Schlüssels.

Im Laufe der Nutzung unterliegen die Schlüssel natürlichem Verschleiß. Auch die Schlösser verschmutzen häufig durch eindringenden Staub. Hier hilft nur noch, das Schloß zu reinigen und ggf. bei zu großem Verschleiß zu ersetzen. Dringend abraten möchte ich jedem Selfmade-Tresortechniker, Öl jeglicher Art und Konsistenz in das Schloß einzubringen! Doppelbartschlösser laufen stets trocken und eingebrachte Feuchtigkeiten, auch und explizit Öle, führen durch die Adhäsionskräfte dazu, dass sich das Zuhaltungspaket nahezu unlösbar verbindet und sich das Schloß nicht mehr bedienen lässt! Dies führt stets zu aufwändigen Kundendiensteinsätzen, schade ums Öl und schade ums Geld.

Die gebräuchlichsten Systeme kommen heutzutage hierzulande von den deutschen Herstellern Mauer, Wittkopp oder StuV, Sie finden daher mehrheitlich diese in unseren Produkten.

 

2.: Mechanisches Zahlenschloß

Ein mechanisches Dreischeiben-Zahlenschloß ist gegen Aufpreis erhältlich und befreit den Nutzer davon, ständig einen klobigen Schlüssel mit sich herumtragen zu müssen und den Ersatzschlüssel an einer sicheren Stelle zu platzieren, denn man kann einen eigenen in der Regel sechsstelligen Code einprogrammieren. Jedoch ist der Programmiervorgang für Ungeübte doch recht umständlich, und auch das Öffnen des Schlosses ist doch recht langwierig. Sind diese Schlösser ab Werk unsauber verbaut, treten nach einigen Jahren der Nutzung Probleme beim Öffnen auf. Ein weiterer Aspekt ist, dass der Nutzer im Laufe der Zeit beispielsweise die feine Skalierung nicht mehr exakt erkennt oder exakt einstellen kann, wodurch es zuweilen zu Fehlfunktionen kommt. Dennoch haben diese Systeme ihre Berechtigung, sind sie doch ansonsten im höchsten Maße zuverlässig. Es gibt diese Schlösser auch als Vierscheibenschlösser, dies nur der Vollständigkeit halber, diese sind aber im Bereich der Privat- und Geschäftstresore seltenst zu finden, allerdings momentan wieder im Kommen, als Redundanz für Elektronikschlösser, welche aber durch die doppelte Technik ein recht hohes Schloßgehäuse hat und daher wegen dem Platzbedarf längst nicht in jedes zertifizierte Tresormodell verbaut werden kann.

Im Laufe der Jahre haben sich hier LaGard-Systeme als am Zuverlässigsten und Komfortablelsten erwiesen, Sie finden diese in unseren Produkten.

 

3.: Elektronisches Zahlenschloß

Vor Jahren noch in den Kinderschuhen, erobern elektronische Zahlenschlösser zunehmend den Markt, denn ihre Benutzung ist genauso sicher wie ein mechanisches Zahlenschloß, jedoch wesentlich komfortabler in der Programmierung und der täglichen Bedienung, so dass auch der Trend der Umrüstung bestehender Tresore auf elektronische Schlösser anhaltend ist.

Solche aufpreispflichtigen Schlösser gibt es ohne Redundanz und mit Redundanz. Was ist Redundanz? Redundanz bedeutet, dass das eigentliche Schloßsystem durch ein zweites System umgangen werden kann, sprich: es gibt einen zweiten Weg, um das Schloß zu öffnen. Viele wertige Systeme setzen dafür wieder ein Doppelbart-Schließsystem mit einem Schlüssel für den Notfall ein, welcher dann auch wieder sicher verwahrt werden muss. Wie aber bereits im vorigen Abschnitt behandelt, gibt es neuerdings auch die Möglichkeit, ein elektronisches Schloß mit einem mechanischen Zahlenschloß als Redundanz zu umgehen, womit sich die Lagerung eines Notschlüssels erübrigt. Redundante Schloßsysteme sollten im gewerblichen Bereich stets den Vorzug erhalten, da sie für ein höchstmögliches Maß an Betriebsbereitschaft stehen.

Jedoch sind inzwischen auch Serien ohne Redundanz in höchstem Maße zuverlässig und gerade im Privatgebrauch eine lohnende Überlegung.

Wertige Elektronikschlösser bringen mindestens ein Doppelcodesystem mit sich, bedeutet, es können mindestens zwei Codes programmiert werden. Dies ist praktisch. Beispiel: Ein Waffenbesitzer darf einem nicht Berechtigten nicht den Code zum Waffentresor mitteilen. Verstirbt der Waffenbesitzer jedoch, kommt niemand mehr an die Waffen ran, um sie bspw. an Berechtigte weiterzugeben. Zweites Beispiel: Demenz. Der Code wird vergessen, mit den selben Folgen. Abhilfe? Ganz einfach! Einen zweiten Code programmieren, diesen aufnotieren und in einem Umschlag zum Testament in amtliche Verwahrung geben. Jetzt kann der Nutzer seine Angehörigen diesbezüglich informieren, und vor seinem Ableben kommt trotzdem niemand an den Inhalt seines Tresors.

In weiteren Ausbaustufen gibt es diese Schlösser oftmals mit zusätzlichen Funktionen: Mehrbenutzerschlösser, Vier-Augen-Prinzip, Möglichkeit der Einbindung in bestehende Alarmsysteme, damit verbunden Möglichkeit der stillen Überfallmeldung, Zeitverzögerte Öffnung, Sperrzeiten für einzelne Tage oder Auditsysteme, mit denen die letzten Ereignisse ausgelesen werden können, um nur einige zu nennen.

Zuverlässige Systeme sind hier von LaGard, NL-Locks oder StuV, auch in Varianten, erhältlich und in unseren Produkten zu finden. Das über Jahre weg als sicher angesehene Kaba Mauer Code Combi B und dessen Nachfolger B30, gefertigt seit ca. 2001, wurde Anfang 2015 übrigens überlistet (Code Combi A sind nicht betroffen). Kaba Mauer hat diese Produkte zwischenzeitlich überarbeitet und die Sicherheitslücke geschlossen, hat die Kunden aber in den Fällen auf den anfallenden Kosten sitzen gelassen, in denen die zweijährige Garantie abgelaufen war. Daher wurden lediglich ca. 2% der betroffenen, im Markt befindlichen Tresore mit einem solchen Schloß nachgerüstet, größtenteils wurden die Besitzer einfach nicht von ihren Tresorhändlern informiert, was ich persönlich als bodenlose Frechheit empfinde, andererseits haben sich auch nur max. 20% der angesprochenen Tresornutzer für eine Nachrüstung entschieden, weil sie einfach die Kosten gescheut haben, wofür mir jegliches Verständnis fehlt, denn wenn ich ein in Sekundenschnelle (kann ich!!) zu knackendes Schloß in meinem Tresor habe, dann brauche ich gar keinen Tresor - oder sehen Sie das anders?

ACHTUNG: Es gibt zahllose Billigtresore aus nah- und fernöstlicher Fertigung im Markt, in die unzertifizierte Schlösser verbaut werden. Diese Schlösser entsprechen in vielen Fällen keinem europäischen Standard und sind in ihrer Bauart so einfach, dass sie keine Sicherheit für den Anwender bieten. Bei YouTube kursieren da unzählige Videos die zeigen, wie leicht solch ein Billigprodukt zu öffnen ist. Ein offenes Wort: ein vernünftiges, sicheres und alltagstaugliches Elektronikschloss ist nicht unter €250 im Markt erhältlich, und das ohne den dazugehörigen Tresor! Auch bei uns finden Sie durchaus Produkte für den schmalen Geldbeutel und eine komfortable Bedienung. Dennoch steht auch hier das Fazit: Von billigen Schlössern rate ich hier eindringlich ab, denn es geht hier um ein Sicherheitsprodukt, nicht um ein Unsicherheitsprodukt.